|
Wie niemand sonst
gilt der Dalai Lama, das Oberhaupt der Tibeter, weltweit als Verkörperung
von Weisheit und Friedfertigkeit. Seinem Selbstverständnis nach ist
er jedoch nur ein einfacher buddhistischer Mönch, der
dem Wohle aller Menschen verpflichtet ist. Doch der Dalai Lama ist auch
das Oberhaupt eines Volkes, dem das Recht auf Selbstbestimmung verweigert
wird, seit die chinesische Volksbefreiungsarmee Tibet besetzt hat. Mit
strikt gewaltfreien Methoden versucht er, die grundlegenden Rechte der
Tibeter zu verteidigen, doch davon zeigt sich China unbeeindruckt. Dennoch
hat er seinen Optimismus und seinen Glauben an die Kraft der Gewaltfreiheit
nicht verloren.
Der Mensch hinter dem Lehrer und hinter dem Amt ist kaum im Blick der
Öffentlichkeit. Wie ist sein Tagesablauf, welche Hobbys und Vorlieben
pflegt er? Klemens Ludwig zeichnet aus persönlicher Kenntnis
er lernte den Dalai Lama 1988 im buddhistischen Kloster Rikon in der Schweiz
kennen und ist ihm seitdem häufig in Europa und Nordindien begegnet
- ein umfassendes Bild des Dalai Lama.
Vorwort des Dalai
Lama
Klemens Ludwig, ein alter Freund der Tibeter, hat dieses neue Buch über
mein Leben geschrieben, da das Interesse anTibet und an der Institution
des Dalai Lama ständig wächst. Es freut mich zu hören,
dass er die Möglichkeit genutzt hat, seine Leserschaft über
Tibet und die Schwierigkeiten, denen das tibetische Volk in den vergangenen
fünfzig Jahren ausgesetzt war, zu informieren, indem er verschiedene
Aspekte meines Lebens beleuchtet.
Als Dalai Lama sehe ich meine Verantwortung in drei Bereichen: Als einfaches
menschliches Wesen habe ich zunächst versucht, Frieden und fundamentale
menschliche Werte zu fördern, denn ich bin überzeugt, wir alle
haben die Verantwortung, alles in unseren Kräften stehende zu tun,
um der Menschlichkeit eine Zukunft zu geben.
Als buddhistischer Mönch gehört es zu meinen Anliegen, die buddhistische
Tradition zu wahren und zu schützen, aber auch Kontakte zu anderen
spirituellen Traditionen zu knüpfen, die einen wertvollen Beitrag
zum menschlichen Wohlergehen leisten.
Als Tibeter und als Dalai Lama schauen schließlich viele meiner
Landsleute zu mir auf, damit ich ihnen helfe, die Schwierigkeiten zu überwinden,
mit denen wir uns seit den frühen 1950er Jahren konfrontiert sehen.
Obwohl ich ausdrücklich nicht Tibets Unabhängigkeit von China
anstrebe, möchte ich sehen, dass den Tibetern eine Art sinnvolle
Autonomie zuteil wird, die ihnen sowohl nach den Prinzipien der universellen
Menschenrechte als auch nach den Bestimmungen der chinesischen Verfassung
zusteht. Ich glaube, der Autor beschreibt alle drei Aspekte meiner Bemühungen.
Als Vorsitzender der Tibet Initiative Deutschland hat sich Klemens Ludwig
nicht nur über eine lange Zeit für die Sache Tibets eingesetzt,
sondern er hat auch dazu beigetragen, viele Missverständnisse über
Tibet im Westen auszuräumen. Dafür bin ich ihm dankbar und ich
habe die Hoffnung, dass dieses Buch der deutschsprachigen Leserschaft
hilft, die heutige Situation meines Landes besser zu verstehen.
Wir müssen optimistisch sein, noch ist nicht alles verloren. Wir
Tibeter sind unverwüstlich, geduldig und einfallsreich, und unser
Anliegen ist eine gerechte Sache. Wir halten an unserer Zuversicht fest,
dass die Wahrheit eines Tages siegen und die Freiheit, die wir verloren
haben, wiederhergestellt wird. Bislang haben wir, ungeachtet vieler Widrigkeiten,
den tibetischen Geist und die Hoffnung am Leben erhalten. Dennoch ist
klar, dass diese Bemühungen allein nicht ausreichen werden, um schließlich
eine positive Lösung herbeizuführen. Deshalb appelliere ich
an die Leser dieses Buches, das tibetische Volk zu unterstützen,
so dass es schließlich wieder in Frieden und Würde leben kann.
Der Dalai Lama
|
|