Mythos Tibet – Ursachen und Gefahren der Verklärung
Vortrag mit Dias

Kein Land der Welt erfüllt die Sehnsucht der Menschen nach einem Ort der Harmonie und des Glücks offenbar so sehr wie Tibet, das als Shangri-La, als Insel der Seligen und Hort des Friedens, gilt. Der Dalai Lama, das tibetische Oberhaupt, wird weltweit als Verkörperung der Weisheit schlechthin angesehen. Die Verklärung trägt nicht immer dazu bei, den politischen Konflikt in Tibet wahrzunehmen, und so konstatieren junge Tibeter sarkastisch: „Wir sind die Panda-Bären der Weltgeschichte. Jeder liebt uns, aber keiner tut etwas für uns“.

Obwohl die chinesische Führung den Dalai Lama unablässig diffamiert, greift sie den Mythos Tibet heute auf. Mit der Aussicht, eine wilde, exotische Kultur zu erleben, werden vor allem chinesische Touristen auf das Dach der Welt gelockt. Seit der Eröffnung der Eisenbahn am 1. Juli 2006 steigen die Zahlen rasant; bis 2010 sollen es sechs Millionen pro Jahr sein, doppelt so viel wie heute und zehnmal mehr als zur Jahrhundertwende.

Auch die Selbstdarstellung im Umfeld der Olympischen Spiele vom August 2008 geht an Tibet nicht vorüber. Das Olympische Feuer soll auf seinem Weg nach Peking den Mt. Everest überqueren.

Um den Boom zu bewältigen, werden abgelegene Landesteile erschlossen sowie Straßen, Flughäfen und Hotels gebaut. Tibet verkommt zu einem Freilichtmuseum, in dem die Bewohner das lebende Inventar sind, begafft, entrechtet, diskriminiert.

Deshalb stellt sich die Frage, woher kommt das Bild von einem Shangri-La auf dem Dach der Welt? Wer hat es geprägt und warum hält es sich so hartnäckig? Ist es noch möglich, jenseits der Verklärung die tibetische Tragödie unter der chinesischen Besetzung wahrzunehmen?

Der Vortrag befasst sich mit den Ursprüngen des Shangri-La-Mythos und zeigt dessen fatale Konsequenzen, aber auch Möglichkeiten zum Widerstand auf.